EVPatch

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copyright Jürgen Heinzerling & Reinhard Epp

 

KURZANLEITUNG

Nachdem Programmstart dauert es einige Sekunden, bis das Programm das Rohmaterial eingeladen und verarbeitet hat. Danach könnt ihr direkt loslegen ...

Hauptbedienungselement von EVPATCH ist diese farbenfrohe Tastenanordnung, die an einen Kassettenrekorder erinnert und auch ähnlich funktioniert.

 

 

Direkt nach dem Programmstart kann man schon loslegen, indem man die Record-Taste drückt. Nach einigen Momenten ist das Signal erzeugt und wird automatisch abgespielt. Eine Wiederholtaste gibt es natürlich auch, da man das Signal ja im Regelfall mehrfach nach EVP abhören wird. Nach einem Druck auf den Revers-Knopf wird das Signal „umgedreht“, d.h. nach kurzer Berechnung rückwärts abgespielt, wobei sich ganz neue EVP ergeben können. Will man es nochmal rückwärts abhören, drückt man den Revers-Knopf erneut (die Berechnung entfällt) etc..

Bei jedem Druck auf die Aufnahme-Taste wird ein Zufallsgenerator gestartet, der ein neues EVP synthetisiert. Mehr braucht man für den Anfang eigentlich nicht zu wissen ... das Programm verfügt aber über eine Reihe von Optionen, die für den Fortgeschrittenen von Interesse sind. 

Wenn ihr ein EVP abspeichern wollt, könnt ihr das einfach durch Mausklick auf den Speicher-Button tun:

 

Als Dateiname wird Datum und genaue Uhrzeit vorgegeben, was ihr aber beliebig ändern könnt.

Außer der Audiodatei (WAV-Format, 44,1 kHz, 16 Bit) wird automatisch auch ein Log-File genereiert, in dem unter anderem die Parameter der Zufallssteuerung enthalten sind, zwecks wissenschaftlicher Dokumentation. Die Log-Datei hat immer den gleichen Namen wie die Audiodatei, aber mit der Endung *.evp.

Über die Regler unter den Kassettenrekorder-Tasten stellt ihr die Länge der Pseudo-Phoneme und die Länge der eingespielten Sequenz ein, sowie die Überlappung, ein Mischverfahren, das die Pseudo-Phoneme ineinander überblendet, was zu etwas anderen Ergebnissen führt.

 

Unter bestimmten Voraussetzungen kann es dabei passieren, daß ihr Parameter einstellt, die zu groß für das vorhandene Rohmaterial sind. In diesem Fall erscheint in der Statuszeile rechts im Bild eine Warnmeldung.

 

So, dann gibt es auch noch einen Editor, in den ihr eintragen könnt, was ihr so gehört habt. Er wird durch Mausklick auf den Editor-Button aufgerufen:

 Die Funktionen dieses Editors sind soweit selbsterklärend, bis auf MAKRO.

Probiert einfach mal aus, was passiert, wenn ihr den Knopf drückt! Der Text läßt sich als RTF-Datei unter einem beliebigen Namen abspeichern und so in Word oder anderen Textverarbeitungen weiter verwenden.

 

FORTGESCHRITTENE I

Das breite, grüne Display zeigt ein FFT-Spektrum der gesamten generierten Datei. Das schmale Display oben links gibt dagegen die Werte des Zufallsgenerators aus (0-255). Der Anfänger kann diese Displays aber getrost ignorieren, oder sich an der gefälligen Optik ergötzen ;-)).

Für den Fortgeschrittenen bieten die Displays jedoch einige Aufschlüsse über die Experimente mit EVPatch. Das betrifft ganz besonders die Einstellung des Zufallsverfahrens, mit dessen Hilfe die EVP-Sequenzen generiert werden. EVPatch bietet insgesamt vier verschiedene Zufallsverfahren:

 

1. Zufall aus Samplewerten einer zweiten Audiodatei

Strenggenommen ist das gar kein Zufallsverfahren. Es basiert auf der Idee, daß die Samplewerte einer Audiodatei ja im Regelfall recht chaostisch aussehen. Also lese ich die Samplewerte einer Steuerdatei aus und lasse sie bestimmen, welches Pseudo-Phonem aus dem Rohmaterial verwendet wird. Als Steuerdatei kann eigentlich jede andere WAV-Datei verwendet werden, von Mozarts Musik bis zur Stimme von Arnold Schwarzenegger. Beim Programmstart wird zu diesem Zweck die gleiche Datei geladen, die auch als Rohmaterial Verwendung findet, aber das könnt ihr natürlich ändern. Prinzipiell kann man als Steuersignal auch ein von einem Rauschgenerator aufgenommenes Signal verwenden, das wäre dann ein „echter“ Zufallsgenerator. Das geht jedoch besser mit ...

 

2.. echter Zufall aus externem Signal

Hier wird während der Einspielung das Signal am Eingang der Soundkarte abgetastet und liefert die Zufallssignale anhand des momentan anliegenden Spannungswertes. Klingt kompliziert, ist es aber nicht – schließt einfach ein UKW-Radio an den LINE-Eingang der Soundkarte an. Stellt den Mischer der Soundkarte nun so ein, daß das Signal am LINE-Eingang aufgenommen wird. Im Programm wählt ihr die Karteikarte SOUNDKARTE an und vergewissert euch, daß von den beiden Radiobuttons oben der rechts OSZILLOSKOP angewählt ist. Erstmal FINGER WEG! von den Reglern Zoom und DC-Offset! Drückt stattdessen den Knopf CHECK - das untere Display sollte nun im Idealfall so ähnlich aussehen wie auf dem Screenshot:

                                    

Das Signal ist hier schon ein wenig übersteuert, was für Audioaufnahmen falsch wäre, aber für Zufallswerte durchaus sinnvoll ist.

Eine noch genauere Kontrolle ermöglicht das zweite Display, das die Zufallszahlen anzeigt. Es wird erst aktiv, wenn ihr per Druck auf die Aufnahme-Taste ein EVP erzeugt. Dann zeigt es die diesem EVP zugrundeliegenden Zufallswerte in einem Balkendiagramm an.

 

Wenn ihr den Mauszeiger über das Display bewegt, wird in der Statuszeile der entsprechende Zufallswert angezeigt, in diesem Beispiel also 24 (min 0, max 255). 

3. Zufall über ILD-Fraktale (VORGABE)

Diese Methode hat der Physiker Johannes Hagel eingeführt. Es handelt sich um einen einfachen Algorithmus für Pseudo-Zufallssequenzen – wenn ihr mehr darüber wissen wollt, verweise ich auf das Archiv der VTF-Mailingliste, sowie auf die zahllosen Veröffentlichungen zu Fraktalen. Diese Methode ist voreingestellt, da sie auf Anhieb gute Ergebnisse produziert, ohne daß man sich einen Kopf machen muß. Als Startwert für das Fraktal könnt ihr jede beliebige Zahl eingeben, z.B. das Geburtsdatum eurer Oma.

Der Haken im Feld auto Startwert sorgt dafür, daß bei jedem Druck auf den Record-Knopf eine neue Zufallszahlenkette generiert wird. Normalerweise ist diese Einstellung sehr sinnvoll, aber ihr könnt sie auch vorübergehend unterbinden, wenn ihr dieselbe Zufallskette mit verschiedenen Einstellungten hinsichtlich der Länge der Pseudo-Phoneme durchtesten wollt. 

 

4. Mischen mit Laufzeitverschiebungen

Genau genommen ist das kein Zufallsverfahren, sondern ein recht interessanter Effekt, der ebenfalls von Johannes Hagel entdeckt wurde. Dazu mischt man zwei gleiche Audiodateien mit einem gewissen Laufzeitversatz zu einem Signal zusammen, wobei eine jedoch um eine bestimmte Anzahl von Samples verzögert wird. d.h. die eine wird verzögert.

Das erzeugt einen Echo-Effekt, bei dem sich ebenfalls EVP bilden. Man kann auch zwei verschiedene Audiodateien verwenden, wobei der Laufzeit-Parameter einfach als zusätzlicher Gestaltungsgrad anzusehen ist. 

Anmerkung: Das Display für die Zufallswerte hat hier keine Funktion, da diesem Verfahren ja keine Zufallswerte zugrundeliegen. 

 

FORTGESCHRITTENE II

WIe bereits erwähnt, könnt ihr auch euer eigenes Rohmaterial mit diesem Programm verwenden. Über die Knöpfe kann man jede beliebige Datei in die beiden Datei-Slots einladen, eben als Rohmaterial oder als Steuersignal für die Zufallsequenz.

Grundsätzlich sucht das Programm beim Start nach einer Datei namens rohmat1.wav. Diese Datei liegt im Unterordner EVPsource; wenn ihr sie mit einer beliebigen anderen WAV-Datei (44.1 kHz, 16-Bit) überspielt, wird diese beim nächsten Programmstart automatisch in beide Datei-Slots geladen.

Welche WAVs eignen sich also am besten? Nun, hört euch einmal die Datei an, die ich dem Programm beigepackt habe. Es handelt sich um einen Dialog aus einer beliebten TV-Serie. Ein Mann, eine Frau, das ist geradezu ideales Rohmaterial. Die Aufnahem ist allerdings absichtlich schlecht gemacht – billiges Einbaumikro von meinem Notebook (bringt Verfärbungen), viel zu großer Abstand zur Schallquelle (bringt Rauschen). Das Ganze wurde in CoolEdit normalisiert (auf 90%) und dann mit einem leichten Echoeffekt versehen, anschließend leicht verzerrt. Klingt ziemlich schäbig, aber das sorgt genau für jene Verzerrungen, die EVP begünstigen. Mitgeschnittene Telefongespräche sind ebenfalls eine gute Quelle, an der man kaum noch herummanipulieren muß. Es gibt unendlich viele geeignete Rohmaterialien, probiert es aus!

CoolEdit bietet da unzählige Möglichkeiten ...

 

 

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